Die Eisenbahnen der Ilseder Hütte

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212 pages 2006

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Ilsede, im südöstlichen Niedersachsen. Inmitten von Feldern, Weiden und grünen
Wiesen ragen riesige Stahlbauten, Förderbänder, Kühltürme, Schornsteine und Hochöfen
in den Himmel. Es ist die Blütezeit der Ilseder Hütte, einem wohlbekannten deutschen
Industriekonzern mit weltweitem Ruf und vielen tausend Mitarbeitern in ganz Deutschland.
Etwa alle drei Stunden ergießt sich hier aus einem der Hochöfen rund 1.200 Grad Celsius
heißes Roheisen. Das Fernsehen des NDR ist gerade gegenwärtig und die Stimme
des berichtenden jungen Reporters Wolf von Lojewski überschlägt sich fast angesichts
dieses feurigen Spektakels. „Vorsicht! Beiseite treten!“ ruft einer der Mitarbeiter dem späteren
ZDF-Journalisten laut zu und das Bild verdunkelt sich durch die Helligkeit des glühenden
Roheisens. Funken fliegen, lautes Getöse übertönt alles, der Kameramann versucht,
mit der Geschwindigkeit des Vorgangs Schritt zu halten. Das glühende Eisen wird
durch gekonnt angelegte Rinnen geleitet und fließt wie Wasser in darunter bereitgestellte
Roheisenpfannenwagen eines Zuges, der das kostbare Gut zum Stahlwerk in die nahgelegene
Stadt Peine bringt. Der dröhnende Dieselmotor der dunkelblauen Lok sorgt für
einen kurzen und prägnanten, schwarzen Abgasausstoß, ehe sich der Zug in Bewegung
setzt. Dem Betrachter an den zahlreichen Bahnübergängen bietet sich ein gewohntes,
wenn auch immer wieder atemberaubendes Bild, als die spürbar heißen Pfannen unter
dem Donnern schwerer sechsachsiger Waggons ächzend hinter der Lokomotive ihren
Weg durch die landwirtschaftlich geprägte Kulisse nehmen und man durch Undichtigkeiten
der Pfannendeckel das glühende Eisen herausschimmern sieht. Schon bald kommt
das Wahrzeichen Peines in Sicht, das Blasstahlwerk mit seinen drei großen Kaminen.
Der NDR ist wiederum dabei und zeigt später im Fernsehen seinen Zuschauern einen
sichtlich beeindruckten Reporter, der die Reise des entstehenden, hellleuchtenden und
ohne ein dunkles Schutzglas nicht zu betrachtenden Rohstahls von den Konvertern bis
zu den Walzwerken weiterverfolgt und so vom Höhepunkt eines Konzerns berichtet, der
bereits wenige Jahre später aufgrund diverser Unternehmensentscheidungen in dieser
Form aufhört zu existieren.

Eine Lebensader der Ilseder Hütte war zweifelsohne die werkseigene Eisenbahn. Wann
immer es um Eisen und Stahl in der so bedeutenden Peiner Industrielandschaft ging, war
die Eisenbahn mit von der Partie und ermöglichte den Aufstieg der Ilseder Hütte von einer
anfangs fast gescheiterten und öffentlich verrufenen Idee zu einem der innovativsten
und erfolgreichsten deutschen Stahlkonzerne des 20. Jahrhunderts. Über das Ende der
Ilseder Hütte hinaus überlebte deren Eisenbahn als Teil der heutigen Verkehrsbetriebe
Peine-Salzgitter und hat an Wichtigkeit im immer noch stahlerzeugenden Peine nichts
eingebüßt.

Dieses Buch erzählt die Geschichte der Eisenbahnen der Ilseder Hütte und zeigt in größtenteils
noch nie veröffentlichten Bildern einzigartige Szenen aus dem betrieblichen Alltag.
Ein Muss für alle Eisenbahnfreunde und heimatgeschichtlich Interessierte.

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