Erzählform und Persönlichkeitsdarstellung in deutschsprachigen Autobiographien des 16. Jahrhunderts

ein Betrag zur historischen Psychologie

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292 pages 1993

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel I
Einleitung in die Fragestellung

1. Der besondere Quellenwert von Autobiographien für die
Analyse individueller Denkformen 1

2. Historizität der Begriffe "Individuum" und "Person" 2

3. Bedingungen und Grenzen der Autobiographie 5

4. Analyse der indirekten Ausdrucksformen des individuellen
Bewußtseins 9

4.1. Abkehr von der typisierten, formelhaften Darstellung. Ten-
denz zur genauen, differenzierten Darstellung. 9
4.2. Analyse der Vorstellungen von Raum und Zeit 10
4.3. Analyse der Affektivität 11

5. Auswahl der Texte nach verschiedenen textimmanenten
Individualitätskonstitutionen 12

5.1. Bartholomäus Sastrow (1520-1603) 12
5.2. Götz von Berlichingen (1480-1562) 12
5.3. Ludwig von Diesbach (1452-1527) 13
5.4. Hermann von Weinsberg (1518-1597) 13
5.5. Hans von Schweinichen (1552-1616) 13
5.6. Thomas Platter (1499-1582) 14
5.7. Felix Platter (1536-1614) 14

6. Der Stand der Forschung 15

6.1. Gründe für die Vernachlässigung der deutschsprachigen
Autobiographie des Spätmittelalters durch die germani-
stische Forschung 15
6.2. Gesamtdarstellungen mehrerer Autobiographien des gleichen
Zeitraumes 17
6.2.1. Lorna Susan Bloom 17
6.2.2. Chris Duane Ferguson 19
6.2.3. Urs Martin Zahnd 20
6.2.4. Gabriele Kees 21
6.2.5. Inge Bernheiden 21
6.3. Einzeldarstellungen 22
6.4. Schlußfolgerungen 25

Kapitel II
Die Autobiographie des Bartholomäus Sastrow (1520-1603)

1. Handschriftliche Überlieferung 27

2. Einleitung 27

3. Darstellungsabsicht 28

3.1. Erbaulicher Charakter der Autobiographie: Sastrow als
Exempel für erfolgreich gelebten Glauben 28
3.2. Sastrow als wichtiger Augenzeuge für historisch bedeut-
same Ereignisse 31
3.3. Apologetische Intention - öffentlicher Charakter des Wer-
kes 31

4. "Omina principiis inquit inesse solent" (III, 6). Entelechie
und Kontingenz 32

4.1. Entelechie 32
4.1.1. Sastrow als Person des öffentlichen politischen
Lebens 33
4.1.2. Der Gottselige muß Verfolgung leiden 33
4.2. Kontingente Lebenserfahrungen 35
4.3. Entwicklung vom Sanguiniker zum Melancholiker. Umwer-
tung der kontingenten Lebenserfahrung. 37

5. Sastrows Abweichungen von seiner chronologischen Gliede-
rung. Die Ergebnisbestimmtheit der Interpretation. 41

5.1. Das Gottesurteil an den Sundischen Aufrührern 41
5.2. Sastrows Umgang mit schicksalhaften familiären Ereignis-
sen 43
5.3. Nachträgliche Strukturierung des Lebenslaufes 44
5.4. Zusammenfassung 44

6. "Sebastian Vogellßberg Historia" (II, 166-176) 45

Kapitel III
Die Autobiographie des Götz von Berlichingen (1480-1562): "Mein Gottfriden von Berlichingen zw Hornberg vhedt vnd handlungen"

1. Handschriftliche Überlieferung 49

2. Einleitung 49

3. Das Interesse der Rezipienten an der Lebensbeschrei-
bung 50

4. Darstellungsabsicht des Autors - Rechtfertigung 53

4.1. Rechtfertigung durch Identität: Götz als "alter treuer
vom adel" 54


5. Der kompensatorische Charakter der Autobiographie 55

5.1. Erzählerische Rückgriffe kompensatorischer Art 57
5.2. 1. Rückgriff: Tod des Vaters, langweiliger Winter in
Jagsthausen (1598) - Abenteuerliches Leben: erfolgreich
geschlagene Zweikämpfe an verschiedenen Höfen (1596 ?) 57
5.3. 2. Rückgriff: Verlust der Hand - Szenen aus dem bayeri-
schen Erbfolgekrieg 59
5.4. 3. Rückgriff: Gefangenschaft in Heilbronn (1522) - Mainzer
Fehde (1514) 59
5.5. "Also das jch in dieser gefengknus, zu einem gemachten
betler worden bin, vnd darneben mein trawen vnnd
glauben versetzt" 61
5.6. 4. Rückgriff: Bauernkrieg, Mainzer Prozeßabschied (1534) -
Reiterstück mit dem Landgrafen von Leuchtenberg (1506) 66

6. Statische Persönlichkeitsdarstellung 67

7. Erzählformen 68

7.1. Erzählstil 68
7.2. Dialogisches Erzählen 70
7.3. Rahmenerzählung 70
7.4. Assoziative Erzählweise, Wiederholung 71
7.5. Fehlende Zeitperspektive: Sukzessive Darstellung von
gleizeitigem Geschehen 72

8. Zahmer Biedermann und wilder Wolf: Die Widersprüche in
der Lebensbeschreibung 73

Kapitel IV
Die Autobiographie des Ludwig von Diesbach (1452-1527)

1. Handschriftliche Überlieferung 78

2. Die Autobigraphie als Medium der Selbstfindung nach einer
Lebenskrise 78

3. Die Geheimhaltungsverfügung als Bedingung individueller
Selbstdarstellung 80

4. Diesbachs Bruch mit der Konvention als Zeichen individuellen
Ausdruckswillens 86

Kapitel V
Die Autobiographie des Hermann von Weinsberg (1518-1597)

1. Die Art der Edition 90


2. Leitende Fragestellung: Weinsbergs individuelle Selbstdar-
stellung als Sonderfall. Erörterung der besonderen Umstände
ihrer Entstehung (Motivation, Geheimhaltung) 92

3. Die Familienstiftung und das Gedenkbuch als
Kompensation eines verhinderten Aufstieges 96

3.1. Marienvision 99
3.2. Einstellung zum Adel 102
3.3. Das "heimliche Gebrechen" zwingt zur Ruhe 103
3.4. Sozialer Unfrieden 104

4. Die humanistischen und religiösen Wurzeln Weinsbergs 106

4.1. Vergänglichkeit 106
4.2. Individuelle Ewigkeit 111
4.3. Weinsbergs Selbstbeschreibungen 118
4.3.1. "Eigenlob stinckt" - Weinsbergs Distanzierung von der
panegyrischen Tradition der Humanisten 122
4.3.2. Beispiele für Weinsbergs individuelle Selbstcharakteristik 125
4.3.3. Der Körper als integraler Bestandteil der Person 126

5. Individualität 129

5.1. Bewußte Narrheit, Selbsterkenntnis als Voraussetzung von
Individualität 129
5.2. Verhältnis von Ich und Welt 130
5.3. Identitätsbildung in Abgrenzung zur Öffentlichkeit 132
5.4. Erziehungsprozeß und Individualität 136

6. Affektivität: "Dan die menschen sint nit perfect ader vol-
komen, wie geschickt sei auch sint, das doin die affectn
und menschliche gebrechen" (I,138) 137

6.1. Liebe und Leidenschaft 138
6.2. Sexualität 139
6.3. Aggressivität, Streit 140
6.4. Tod und Trauer 141

Kapitel VI
Die Autobiographie des Hans von Schweinichen (1552-1616)

1. Handschriftliche Überlieferung 146

2. Einleitung 151

3. Darstellungsabsicht gemäß dem Vorwort 152

3.1. Nachweis besonderer Begnadung 153
3.2. Schriftliche Beichte, Zwiesprache mit Gott 155
3.3. Geheimhaltung 157
3.4. Adeliger Tugendspiegel? 159

4. Das Memorial - Tagebuch oder Autobiographie? 160

4.1. Äußere Form - Gliederung 160
4.2. Überarbeitung längerer Passagen 160
4.2.1. Jugendgeschichte 161
4.2.2. Längere Reiseberichte 161

5. Die Darstellung von Innerlichkeit 163

5.1. Entscheidungsfindung 163
5.2. Entscheidungen bezüglich des Berufsweges. Religiös fun-
dierte Pflichtauffassung. 167
5.3. Die Affekte angesichts des Todes naher Angehöriger (Ob-
überhaupt-Spannung) 170
5.3.1. Tod der Mutter 170
5.3.2. Tod des Vaters 171

6. Religiöser Anspruch und schwankhaft-obszöne Darstellun-
gen - ein Widerspruch? 173

6.1. Parodistische Entlarvung des "wunderlichsten aller fürst-
lichen Gebieter". Schwankhaftes und Obszönes im Zusam-
menhang mit der Biographie Herzog Heinrichs XI. 176
6.2. Ambivalente Einstellung zu Herzog Heinrich: Adlige Ver-
schwendungssucht gegen bürgerliches Ökonomiedenken 180
6.3. Die Biographie Herzog Heinrichs XI. im Vergleich mit der
Charakterisierung des Fürsten im Memorial 184

Kapitel VII
Die Autobiographie des Thomas Platter (1499-1582)

1. Handschriftliche Überlieferung 186

2. Einleitung 186

3. Darstellungsabsicht 189

4. Zeichen der Begnadung 191

5. Die lineare Struktur von Platters Autobiographie
("Motivation von hinten") 193

5.1. Vorzeichen 193
5.2. Entelechie und Linearität 194
5.2.1. Entscheidungsfindungen 195
5.2.2. Die Vorwegnahme des Resultates 199

5.2.3. Die entwertete Zeitperspektive in der linearen Gesche-
hensreihe 203
5.2.4 Die Unterbrechung der linearen Struktur zur Hervorhebung
einer Zäsur 203

6. Versuch einer Dechiffrierung des unbewußten psychischen
Äquivalents von auffälligen Motiven der Autobiographie 205

6.1. Methode 205
6.2. Der auf dem Wege zurückgelassene Rock 206
6.3. Die Decke wegziehen - die Haut abziehen 207
6.4. Die mütterliche Geste des Essenreichens 209
6.5. Das mißlungene Bad - Abfall vom "neuen Wandel in Chri-
stus" (Eph. 4. 17) 210

7. Dichtung und Wahrheit - Überfremdung des Selbsterlebten
mittels Einstreuung fiktiver Elemente 212

7.1. Der kindliche Übermut 213
7.2. Die Johannisstatue im Ofen 214

8. Harmonie am Lebensabend - Platters geglättete Versionen
seiner Beziehungen zu wichtigen Bezugspersonen am Bei-
spiel seiner Ehefrau Anna Dietschi und seines Freundes
Oswald Myconius 217

8.1. Anna Dietschi 217
8.2. Oswald Myconius 218

9. Chronologische Abweichungen - Tod der Töchter Margareta
und Ursula 221

Kapitel VIII
Die Autobiographie des Felix Platter (1536-1614)

1. Handschriftliche Überlieferung 225

2. Einleitung 225

3. Motivation des Autors zur Abfassung der Vita 226

4. Psychologisches Interesse 228

4.1. Die Bedeutung der Prägung späterer Eigenschaften in der
Kindheit 228
4.2. Gemeinsamkeiten der Autobiographie mit den
"Observationes" 230

5. Ambivalente Heimwehgefühle - Platters unausgesprochene
Kritik am Vater 232

6. Von der Typisierung des irdischen Erlebens, Betonung des
ideellen Gehaltes zur Widerspiegelung der Wirklichkeit um
ihrer selbst willen 236

6.1. Empirisches Interesse an der Wirklichkeit 236
6.2. Exemplarischer Nachvollzug überkommener Vorbilder gegen
Dokumentation individuellen Erlebens - Georg von Ehin-
gens und Felix Platters Reiseberichte. 239

Kapitel IX
Zusammenfassung der Ergebnisse

1. Der Ausdruck von Individualität in den deutschsprachigen
Autobiographien des 16. Jhs. 243

2. Historische Bestimmung des Individualitätstypus 244

3. Zur Abgrenzung der volkssprachlichen Autobiographie von
der humanistischen Autobiographie in lateinischer Sprache 245

4. Erzählform und Denkform: Die literarischen Stilmittel 248

5. Vergleich des Ausdrucks individueller Ichdarstellung in
Autobiographien öffentlichen und privaten Charakters. 249

6. Bedingungen und Antriebe autobiographischen Erzählens in
der Renaissance 251

6.1. Subjektive Motivationen 251
6.1.1. Rechtfertigung 251
6.1.2. Ruhm und ewiges Angedenken vor der Nachwelt 251
6.1.3. Selbstfindung 251
6.2. Altruistische Motivationen 252
6.2.1. Didaxe 252
6.2.2. Historie 253
6.2.3. Religiöse Unterweisung, Tröstung, Bestärkung im Glauben 254

7. Besondere Dispositionen und Lebenserfahrungen, welche die
Darstellung von Individualität fördern 256

X Literaturverzeichnis 257

XI Anhang 281

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