Der Alltag mit Akten

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1997

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Die empirische Forschungsarbeit geht in unterschiedlichen Institutionen (Gefängnis, Psychiatrie, Gericht, Polizei...) u.a. folgender Forschungsfrage nach: Welche Funktionen übernehmen Akten im institutionellen Diskurs, wie also beeinflussen sie Wahrnehmung, Kommunikation, Einstellungen und Verhalten der Personen (Insass/innen und Mitarbeiter/innen) untereinander? Diese Frage wird empirisch unter dem Paradigma der Grounded Theory erforscht. In einem kurzen sozialgeschichtlichen Rekurs auf die Entstehung von Institutionen (FOUCAULT, GOFFMAN und WEBER) werden diese in Beziehung gesetzt zu Akten, die im Alltag jeder Institution eine Rolle spielen. Dabei wird die Akte als Institution in der Institution beschrieben. Die Arbeit gelangt zu folgenden Kategorien, die eine Theorie über Akten in Institutionen begründen: Akten sind schriftliche, letztlich auch materialisierte Darstellungen von Ereignissen und Personen und dazu da, Gesagtes, Beschlossenes oder Getanes festzuhalten oder abzubilden - die repräsentative Funktion. Zum zweiten übernehmen Akten eine ordnende, organisierende Funktion, indem sie Sachverhalte und Handlungen einer Institution strukturieren – ihre Verwaltungsfunktion. Zum dritten tradieren Akten Informationen über Zeit und Personen hinweg – ihre Gedächtnisfunktion. Zum vierten stehen die genannten Funktionen - Repräsentieren, Verwalten, Bewahren - alle auch im Dienst einer vierten Funktion, und zwar der des Beweisens, weil Akten eine Institution darin unterstützen, sich ”abzusichern” und einen Nachweis über die Rechtmäßigkeit/Korrektheit ihres Handelns zu führen – ihre Beweisfunktion.

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