Lokalzeit

oder die Tage nach Annas Tod

by

36 min read
Rate this book:
138 pages 1975

About This Book

LOKALZEIT ist ein Stück über "die Leute" und ihre Sprache: "Die Leute haben keine eigene Sprache, nur Klischees, Versatzstücke ... Das Klischee kann nur das Klischee hervorbringen. Hier liegt das zentrale Thema des Stückes: Die Zwangsläufigkeit, mit der die abgenutzte Sprache übers Denken zu Aktion führt, zur katastrophalen", so der Autor über sein Stück.

Was er vorführt, sind die verschiedenen Parteien in einem Hinterhaus: ein latent aggressiver Taxifahrer, ein schwatzender Viehhändler, ein polternder Hauswart, ein homosexueller Einkäufer, verschiedene Frauen. Was diese Leute im vordem "ruhigen Haus" zusammenbringt, sie aufeinander verweist, ist ein Mord: In einer der Wohnungen ist eine alte Frau umgebracht worden. Pranschke, ihr Untermieter, ist verschwunden. Klar, dass ihn die so jäh zusammengeschmiedete Hausgemeinschaft für den Täter hält, die Unbequemlichkeit der polizeilichen Verhöre nur in dem Bewusstsein erträgt, dass der Schuldige schon feststeht. Als der jedoch wieder auftaucht, schlägt, was bis dahin Feigheit war, in Terror um: Dass der Außenseiter ein Alibi hat, darf nicht sein. Die anderen Hausbewohner zwingen ihm einen Strick um den Hals, zwingen ihn, sich auf einen Stuhl zu stellen, den Strick an der Lampe zu befestigen, ein kleiner Stoß am Stuhl: Pranschke baumelt, und die Gefahr scheint beseitigt.

Loschütz hat diese kleine Handlung in eine Folge kurzer Genreszenen aufgelöst, allesamt durchaus realistisch angelegt, doch durch die sprachliche Form gleich wieder der Hinterhaus-Realität entfremdet. Die Sprechweisen der Figuren, gebündelt zu lauter falschen Sprichwörtern und Slogans, bringen eine Alptraum-Atmosphäre hervor. Seltsamkeiten treten zutage...

Buy This Book

As an Amazon Associate and Bookshop.org affiliate, BookOrb earns from qualifying purchases.

Write a Review

Sign in to write a review.