Biography

Deutsche Schriftstellerin, geboren in Düren b. Köln als Tochter der Fabrikanten Felix und Anna Peltzer, geb. Schoeller. Schwester des Fabrikanten und Jugendbuchautors Felix Henry Peltzer. Bis 1911 Lyceum Düren, 1913 Pensionat Chartreuse/Genf , danach Ausbildung zur Konzertpianistin. Im ersten
Weltkrieg ehrenamtliche Krankenschwester. 1919 Geburt des Sohnes Rolf (Seybold). Seit 1924 in zweiter Ehe mit dem Verleger Albert Wendt verheiratet (Musarion Verlag). Ab 1927 Wohn- und Arbeitssmittelpunkt in München-Bogenhausen. Von Jugend an lyrische Begabung und intensive Auseinandersetzung mit Literaturgeschichte und zeitgenössischen Autoren. Fand über Tätigkeiten für den Musarion-Verlag ab 1936 zur professionellen Schriftstellertätigkeit.

Erste Erfolge mit Erzählungen in Feuilletons und Zeitschriften, u.a. "Der Silberspiegel", Münchner Neueste Nachrichten, Hamburger Fremdenblatt", "Die Woche", "Simplizissimus". Der erste "heitere" Roman "Sommergäste in Sophienlust" entstand 1937 in den Tegernseer Bergen und wurde in den Kriegsjahren rasch zum Bestseller (120.000 Auflage bis 1946) . Zwischen 1939/40 folgten die Unterhaltungsromane "Liebe in Gefahr" und "Wir plus drei" (130.000 Auflage bis 1947) , 1941 " Die Badereise" (Auflage 25.000 bis 1942). Für "Die Stolze Nymphe" 1942 (35.000 Auflage im ersten Verkaufsjahr) erhielt sie 1943 den hochdotierten "Volkspreis für deutsche Dichtung" (Heute Wilhelm Raabe Preis). Ihr letzter Roman "Meine Tochter Veronika" entstand als Auftrag des Reichspropagandaministeriums zum Thema der "Frau im Kriegsdienst" und wurde im April 1944 in der Illustrieren "Die Woche" vorveröffentlicht.

Ihre zumeist autobiographisch grundierten Unterhaltungsromane spielen in München oder dem oberbayrischen Bergland. Die liebenswürdigen Charaktere entwickelte sie aus systematischen Beobachtungen im Künstler-Milieu sowie bürgerlichen Alltags- und Familienleben, dessen amüsante emotionale Verwirrungen sie in vielfältigen Schattierungen mit humorvollem Charme zu schildern verstand. Zeitgenössische Rezenzionen würdigen Ell Wendt als stilsichere "Meisterin" des kurzweiligen, aber gepflegten Unterhaltungsromans, die ein dankbares Publikum in allen Schichten der Gesellschaft fand. Beispielsweise berichten Leserbriefe von Frontsoldaten in tiefer Dankbarkeit "über ein paar Stunden in denen man den Krieg vergisst und sich wie in der Heimat fühlt". U.a. bedankte sich Wilhelm Furtwängler begeistert für die unterhaltsame Erleichterung eines Krankenhausaufenthaltes, oder Paul Graf Montgelas für die "Verbreitung von soviel Freude, in Freudeloser Zeit".

Ell Wendts so ungewöhnlich steile wie kurze Autorenkarriere in den Kriegsjahren gründet damit in dem gesteigerten Bedürfnis nach Unterhaltung, die den Leser in unbeschwerte Umgebungen der Vorkriegszeit entführt. Sie geriet darüber keineswegs zufällig mit ihrem nationalsozialistisch engagierten Verleger Adolf Spemann in Konflikt, der ihren Büchern einen Geist "aus einer längst überwundenen Zeit" attestierte. Sie erwog darauf hin an einen Verlag zu wechseln, "wo man wenigstens keine NS-Liebe von mir verlangt". Nach einem Zwischenspiel bei Scherl/Berlin arrangierte sich Spemann mit ihr und begann sie zu fördern. Der Sinneswandel erklärt sich wohl aus einem Paradigmenwechsel der offiziellen Schrifttumspolitik, die mit fortschreitendem Kriegsdruck auf Weisung von Joseph Goebbels die zuvor vernachlässigte Unterhaltungsliteratur forcierte.

Die hohen Auflagen ihrer Romane u.a. als Feldpostausgaben, und die Auszeichnung durch einen bedeutenden Literaturpreis verbindet den großen Erfolg Ell Wendts von daher auch mit der Propagandamaschinerie des Dritten Reichs. Gleichwohl bezeugen weder ihre unpolitischen Texte noch ihr Sprachgebrauch eine Nähe zur "völkischen" Ideologie. Sie war weder Mitglied der NSDAP noch einer anderen Parteiorganisation. Ihre Privatkorrespondenz dokumentiert eine scharfe Analysefähigkeit und überaus regimekritische Haltung, die sich in einem schon 1940 zunehmend frustrierten Zynismus äußert. Die Annahme des Literaturpreises und des Auftrages für das Propgandaministerium stürzte sie in einen inneren Konflikt - "ich komme mir vor wie bei einem Klassenaufsatz, ein andermal wie eine arne Dirne". Eine Rechtfertigung sah sie in der Möglichkeit sich von Arbeitsdienstverpflichtungen freizuhalten und aus dem zwischenzeitlich regelmäßig bombardierten München heraus zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits todkrank.

Das wenige was über ihre künstlerische Prägung überliefert ist, weist auf eine breite Literaturkenntins und eine Vorliebe für englische Autoren. Der satirische Einschlag erinnert an die frühen Unterhaltungsromane Kurt Tucholskys, den sie schätzte.
Ein nicht näher bekannter Kontakt bestand zu Thomas Mann, der bis 1933 unmittelbar in der Nachbarschaft wohnte. Mit Stefan Zweig, dessen erste Frau Übersetzungen für den Verlag ihres Mannes besorgt hatte, bestand ein herzliches Verhältnis, das vereinzelzt erhaltene Briefe dokumentieren. In den Kriegsjahren bestand ein zunehmend enger Austausch mit Walter von Molo, der nach dem Krieg den Begriff der "Inneren Emigration" als Rechtfertigung gegen die Exilliteratur prägen sollte. In diesem ambivalenten Kreis wird man auch die Position Ell Wendts vermuten. Sie starb 1944 nach schwerer Krankheit in in Schliersee, wo sich auch ihr Grab auf dem Friedhof St.Martin befindet.

Schon 1946 erwirkte ihr Ehemann bei der amerikanischen Militärregierung die Neuauflage ihrer Romane, die auch in der Zeit des "Wiederaufbaus" bis Mitte der 1960er Jahre erfolgreich blieben. Der nachfolgende tiefe kulturelle Wandel der Populärkultur ließ sie seitdem in Vergessenheit geraten. Das Ell Wendt im Gegensatz zu vielen erfolgreichen "völkischen" Autoren der Nazizeit heute in keinem einschlägigen Literaturlexikon verzeichnet ist, erklärt sich in anbetracht der hohen Auflagen von allein vier "Bestsellern" in nur fünf Jahren wohl aus ihrer überaus kurzen, auf die Kriegszeit beschränkten Karriere.

(Quellen: Teilnachlass ihres 1987 verstorbenen Ehemanns (Privatbesitz Achim Wendt, Heidelberg), Stadtarchiv München, Molo-Archiv im Archiv der Akademie der Künste Berlin, Personenakte Reichsschriftumskammer im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, Artikel und Rezensionen in zeitgenössischen Zeitungen/Zeitschriften)